Einkaufsmodell - Rückschritt in die Vergangenheit
Das Ende gemeinsamer Selbstverwaltung?


IDZ-Information Nr. 1/95
Hörnemann, G.
Einkaufsmodell - Rückschritt in die Vergangenheit. Das Ende gemeinsamer Selbstverwaltung?

Abstract

Die Arbeit zeigt in historischer Perspektive den Prozess der zunehmenden Einbindung des Arztes in das öffentlich-rechtliche System des Kassenarztrechtes. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die "Einkaufsmodelle" zur Zeit der Weimarer Republik gelenkt und aufgezeigt, dass die Beseitigung von Einzelverträgen mit den Kassen zu Gunsten von Kollektivverträgen (und damit die Verlagerung des Sicherstellungsauftrages auf die Ärzteschaft) zu den zentralen berufspolitischen Forderungen der Ärzteschaft gehörte. Vor der Grundlage dieses historischen Exkurses erscheint die aktuelle Diskussion um Einkaufsmodelle in einem berufspolitisch eindeutigen Licht. Hörnemann weist darüber hinaus nach, wie nach Maßgabe moderner Korporatismustheorien, die "balance of power" der kollektiven Akteure Krankenkassen und Ärzteschaft durch Einkaufsmodelle zu Gunsten eines Machtübergewichts der Krankenkassen aufgelöst wird.

Dr. rer. soc. Gerd Hörnemann ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Soziologie der Universität Konstanz.